Foto: Diara Sow

Der Bomber der Herzen präsentiert

Ebow // Festivals 2022

18.06.22 Leipziger Frauenfestival
30.06.22 splash! Festival Red Edition
01.07.22 Malta Festival Poznan
19.07.22 No Borders Festival Luxemburg
10.09.22 Heroes Festival Freiburg


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Artur Kasper

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Die Welt steht still, zerbricht in zwei Teile: „Canê“ heißt das vierte Studioalbum von Rapperin Ebow, ein kurdisches Wort für „Liebling“, oder auch „Seele“. Mit ihrem neuen Album geht Ebow nicht nur back to the roots, representing München-Giesing und Free Kurdistan – sie geht den widersprüchlichen Sehnsüchten auf den Grund, die unsere Zeit in sich birgt. Schnelle Autos und politischer Kampf. Schüchterne Flirts und die ewige Suche nach Trouble.

Prada Bags und Protest. Ebow muss sich kein Alter Ego zulegen, um Ambivalenzen zu verbergen, sie hält sie aus. Die Rapperin muss sich nicht ausgeben für etwas, das sie nicht. Ebow ist beides: Widerständig und hyped. Straße und Softie. Hochpoetisch und not giving a fuck. Oder um es mit dem Opener-Track „Dersim62“ zu sagen:

 

Mein größter Flex ist

dass ich ich selbst bin

 

Dass Ebow eine begnadete Songwriterin ist, wie es sie im Deutschrap kein zweites Mal gibt, sollte spätestens seit dem melancholischen Sommerhit „Wetter“ (2018) oder der Anti-Cop-Hymne „Feuerzeug“ (2020) klar sein. Auf „Canê“, das größtenteils von Ebows langjährigem Partner Walter P produziert wurde, geht Ebow nun einen Schritt weiter:  Die zwölf Songs sind dramaturgisch so gesetzt, dass sie nicht abwechselnde Moods kreieren, wie eine Streaming-Playlist, sondern dass sie sich zu zwei Grundstimmungen zusammensetzen, aus denen das Album besteht, eher wie zweite Seiten eines Mixtapes : Der erste Teil (CD 1) ist härter und schneller, es geht ums Flexen und um Fun. Der zweite Teil ist reflektierter und behutsamer, dreht sich um Nähe, um Widerstand und Überzeugungen. Es sind die zwei Seiten, die für die Gegensätzlichkeiten der Seele stehen auf „Canê“.

 

Auch der Sound pendelt zwischen rougheren Beats auf der einen zu leichtfüßigeren R&B-Arrangements auf der anderen Seite. Die erste Single „Araba“ etwa fühlt sich mit seinem basslastigen laidback Vibe und dem tiefen, dunklen Piano wie eine Hommage an die Lowrider-Ära der US-Westcoast an. „Ich habe während des Lockdowns viel Zeit an meinem Fenster verbracht,“ erzählt Ebow zur Entstehung von „Trippin“. „Da ist eine Kreuzung, an der zu jeder Tageszeit laute Musik aus wartenden Autos dröhnt. Ich habe mir vorgestellt, was für einen Song ich pumpen wollte, wenn ich dort in der Karre säße, statt an meinem Fenster.“

 

„Prada Bag“ wiederum ist ein verträumter, etwas unruhiger Uptempo-Beat, der zwischen den Endlosschleifen der mantraartigen Hook („Prada Bag ja/ guck mal was ein Swag ja/ komm in deine Hood/ nehm deine Ehre weg ja“) komplett runterfährt. Bis auf ein paar Gitarrenriffs und leichte Synthesizerklänge ist bei den Verses nur Stille. Ebows Zeilen nehmen den Raum ein, erst sanft eingesungen, dann gesprochen, pamphletartig vorgetragen, um am Ende mit Gesangschören und feierlichen Bläsern auszufaden. Der komplex strukturierte Song ist ein Versuch, das Begehren von Luxus zu ergründen, das Versprechen von Respekt und Ebenbürtigkeit für die, die sich diese Autos und diese Fashion eigentlich nicht leisten sollen.

 

Von ihrer einfühlsamen Seite zeigt sich Ebow auf „Trouble“, einem klassischen R&B-Heartbreak-Song mit Nullerjahre-Vibe. Über kühle Synthesizer und cleane Drums, die an einen vertonten Herzschlag erinnern, singt Ebow von der Angst, ihrem Gegenüber das Herz zu brechen. „Haters gonna hate/ Players gonna Play“ ertönt es immer wieder aus dem Hintergrund, wie ein bedrohlicher Befehl, eine toxische Norm, die sich in unsere Beziehungen eingeschrieben hat.  Der theatralische Aufbau des Songs und Ebows markante Melodie auf dem Höhepunkt jeder Hook („liebst du den Trouble?/ sei ehrlich, oder liebst du mich?“) lassen an Arabesk-Klassiker über unmögliche Beziehungen und verzweifelnde Liebende denken.

 

Und wie es sich für ein geteiltes Werk gehört, markiert die Mitte zwischen den beiden Teilen schließlich das Herzstück des Albums: „Excalibur“, wie das Schwert, das im Stein feststeckt, ist ein Song, der allein von Ebows Meerfjungfrauen-Flow lebt. Die Rapperin gleitet über den zurückhaltenden, bedächtigen Beat wie durch Wasser und erzählt von der Sehnsucht nach Heldinnen in einer Welt, die nur noch Schurken hervorzubringen scheint.  Die dramatische und kraftvolle Hook von Sängerin Balbina hat fast etwas von einer Krönung. Und zwar von Ebow als die Heldin, als die sie sich mit diesem Album geschaffen hat.